Am 24. Oktober 2025 ehrte die Schulgemeinde der Carl-Schurz-Schule Herrn Robert Hébras mit einer feierlichen Zeremonie und einer Gedenktafel. Robert Hébras war über viele Jahre hinweg ein enger Freund unserer Schule. Im Rahmen des Schüleraustauschs mit unserer Partnerschule in Niort führte er mehr als zwei Jahrzehnte lang unsere Schülerinnen und Schüler durch sein Heimatdorf Oradour-sur-Glane – ein Ort, der am 10. Juni 1944 durch ein Massaker der Waffen-SS zerstört wurde. Innerhalb weniger Stunden wurden dort 643 Menschen brutal getötet, das Dorf geplündert und niedergebrannt. Robert Hébras war einer von nur 6 Überlebenden. Durch sein jahrzehntelanges Engagement als Zeitzeuge setzte sich Herr Hébras unermüdlich für die deutsch-französische Versöhnung ein.

Besonders die Begegnung mit jungen Menschen lag ihm am Herzen – nicht nur vor Ort in Frankreich, sondern auch durch mehrere Besuche an unserer Schule in Frankfurt. Am 11. Februar 2023 verstarb Robert Hébras im Alter von 97 Jahren als letzter Überlebender des Massakers. Am 29. Juni 2025 wäre er 100 Jahre alt geworden. Aus diesem Anlass hat sich die Carl-Schurz-Schule für den heutigen Festakt entschieden. Die Gestaltung und Organisation dieses denkwürdigen Tages an unserem Gymnasium lag in den Händen der Schulgemeinde, insbesondere von Frau Vauriac, Frau Tusk und Herrn Bensch aus der Fachschaft Französisch sowie Herrn Scherfenberg aus der Fachschaft Kunst.

Mit eindrucksvollen Bildern unter musikalischer Klavierbeteiligung von Casimir de Lobkowicz fand die Ehrungsveranstaltung einen stimmungsvollen Beginn. Unser Schulleiter Herr Gans eröffnete den bedeutenden Festakt und sprach im ersten Teil seiner Rede sogar auf Französisch. Die Schülerinnen und Schüler der bilingualen Gruppe Klasse 7 sangen das Lied „Je suis un enfant de paix“, das mit seinem sanften, melancholischen Klang daran erinnert, dass Frieden nur gelingen kann, wenn wir ihn gemeinsam tragen und gestalten. Auch Herr Bergeret, der französische Konsul, hielt eine deutsch-französische Rede und unterstrich die Wichtigkeit von Hébras Wirken über seinen Tod hinaus. Emilie Ducasse, ehemalige Schülerin unserer Schule, begeisterte das Publikum mit dem Chanson „Göttingen“ von Barbara und erklärte: „Das Lied und Robert Hébras haben gemeinsam, den Hass zu überwinden und sich für die Versöhnung einzusetzen.“ Aufführungen der Oberstufe „Le chêne d´Oradour“ und „Pourquoi se souvenir ?“ bereicherten das facettenreiche Festprogramm.

Nach der Rede von Stadtrat Herrn Setzepfandt und einem Videozusammenschnitt über wichtige Meilensteile des Zeitzeugens kam Agathe Hébras zu Wort. Die Enkelin war sichtlich gerührt und bewegt von diesem bewegenden Programm in der Aula: „Mein Großvater wäre sehr stolz, wenn er wüsste, was heute an der Carl-Schurz-Schule passiert“, erzählt sie. „Mein Opa ging oft an Schulen, um zum Nachdenken anzuregen. Ich möchte diesem Bedürfnis nachkommen und es ihm gleichtun“, erzählt sie den Rasenden Reportern kurz vor der Veranstaltung. Vor dem offiziellen Festakt am Nachmittag, hatte sich Agathe Hébras den Fragen der interessierten Schülerinnen und Schülen in einer angeregten Gesprächsrunde im Musiksaal gestellt. Zum Abschluss der offiziellen Veranstaltung präsentierte der Schüler Philipp Romisch, Gewinner der Ausschreibung zur Gedenktafel, die Plakette und erläuterte: Auf der Gedenktafel ist Hébras mit aufrechtem Gang zu sehen. Er geht aufrecht auf die Menschen, insbesondere die Jugend und die Zukunft zu.“ Danach freuten sich alle auf ein reichhaltiges Buffet mit Macarons, Quiches, Kuchen und einem Gläschen Sekt oder einer Tasse Kaffee. An dieser Stelle sollten noch die Schülerinnen und Schüler der 8b erwähnt werden, welche die Ersten und Letzten in der Aula waren. Sie kümmerten sich um Auf- und Abbau und die Betreuung des Gaumenschmauses. „Wir waren stolz, heute dabei gewesen zu sein“, resümieren sie. Das sind wir alle.
Text: Rasende Reporter










