Literatur-Amüsement findet neues Heim

SACHSENHAUSEN - Carl-Schurz-Schule beherbergt jetzt die Bibliothèque francophone

Führt durch den "deutschen Leuchtturm der französischen Jugendliteratur": Alice Genty-Beckers steht den Nutzern der Bibliothèque francophone jeden Mittwoch als Ansprechpartnerin zur Verfügung. FOTO: Holger Menzel

Die Bibliothèque francophone "Au plaisir de lire" - zu deutsch: die Französischsprachige Bibliothek "Zur Freude des Lesens" - ist in ihre neue Heimat eingezogen. Seit dieser Woche steht die etwa 5000 Bücher zählende Sammlung in der Sachsenhäuser Carl-Schurz-Schule sowohl den dortigen Lehrern und Schülern als auch dem Personal aus anderen Einrichtungen zur Verfügung, das sich mit französischsprachiger Literatur beschäftigt.

Alice Genty-Beckers, eigentlich Pädagogin an der Ziehenschule in Eschersheim, dient Interessenten mittwochs von 9 bis 15 Uhr vor Ort, im Bibliotheksraum im dritten Stock, als Ansprechpartnerin. Sie gehört der Gruppe "LESartEN" an, einem Zusammenschluss von Frankfurter Lehrkräften, die sich um die 1995 begründete Bibliothèque francophone kümmern.

Der ständig wachsende Bestand hat in den vergangenen Jahren eine kleine Odyssee hinter sich gebracht. Elke Waldeier-Odenthal, die Vorsitzende des hinter der Sammlung stehenden Fördervereins, ließ diese bei der Eröffnung noch einmal Revue passieren.

"Wir waren glücklich", als mit dem Bureau du livre de jeunesse - dem Büro des Jugendbuchs - der Anfang gemacht war, sagte sie. Doch aus den ursprünglichen Räumen im Institut français am Palmengarten mussten die Werke zusammen mit diesem ausziehen. In einem Keller in Mainz wurde "der Schatz" wiederentdeckt und im Frankfurter Schulamt zwischengelagert. Doch dort gab es weder genügend Raum dafür, noch waren die Bücher leicht zugänglich. Im vergangenen Jahr ergab sich dann die neue Lösung.

Der damalige Schulleiter Hans-Ulrich Wyneken setzte sich sehr dafür ein. "Wir haben geräumt und nicht nur geträumt", berichtete Waldeier-Odenthal reimend von den Arbeiten der vergangenen Tage, bei denen auch viele Eltern anpackten. Nun reihen sich die noch manuell verzeichneten Buchrücken an der Hinterwand der Schulbibliothek und nehmen etwa ein Drittel der Regale ein, deren Zahl für den Neuzugang erhöht werden musste.

Auf beiden Seiten wurde aussortiert, wie Schulbibliotheksleiterin Claudia Stein berichtet. Zudem wurden die Möbel beisammengerückt sowie PC-Arbeitsplätze durch einen platzsparenden Laptop-Wagen ersetzt. Als "deutschen Leuchtturm für französische Jugendliteratur" bezeichnete Caroline Mettavant, französische Vize-Generalkonsulin in Frankfurt, die Sammlung, die ohne Budget auskommen muss. "300 Millionen Menschen auf der Erde sprechen Französisch", die Sprache zu beherrschen sei "ein Pluspunkt" und öffne Türen.

Der neue Platz sei ideal für die Bibliothèque. Die Carl-Schurz-Schule gehört zu den Gymnasien mit einem Französisch-Schwerpunkt. Bereits ab der fünften Jahrgangsstufe kann die Sprache erlernt werden, in drei von vier Klassen als erste Fremdsprache mit hohem Stundenumfang. Kinder mit frankophonem Hintergrund oder solche, die aus bilingualen Grundschulen kommen, bilden eigene Lerngruppen. Es gibt Schüleraustausch mit Niort und Lyon und französisches Theater. Die Bibliothèque ergänzt nun das Programm und ist näher an diejenigen herangerückt, für die sie vorgesehen ist. Auch aus anderen Teilen der Stadt ist sie am neuen Ort besser erreichbar geworden.

Rund um die Lektüre organisiert die "LESartEN"-Gruppe Veranstaltungen. Besuche von Autoren etwa oder einen Französisch-Lesewettbewerb. Bei den vierteljährlich veranstalteten Comités de lecture werden Neuerscheinungen und Klassiker der französischen Kinder- und Jugendliteratur vorgestellt und Impulse für die Arbeit in der Schule gegeben. In der Bibliothèque lassen sich nicht nur Einzelexemplare, sondern auch ganze Koffer ausleihen, die nach Themen oder Schwierigkeitsgraden zusammengestellt werden. Darüber hinaus gibt es Sekundärliteratur zu den vorhandenen Werken. Katja Sturm

Französische Bibliothek

Weitere Informationen unter auplaisirdelire.de im Internet.

Quellenangabe: Frankfurter Neue Presse vom 09.10.2021, Seite 19